Kelowna

Meine momentane Bleibe ist die Kösterfarm in Kelowna, BC. Ich tue hier zwar nichts für mein Englisch, da die Kösters aus der Schweiz kommen, dafür genieße ich aber einen der schönsten Teile kanadischer Natur. Kelowna liegt im Okanagan Valley, das auch als der Obstkorb Kanadas bezeichnet wird. Aufgrund des hervorragenden Klimas wird hier der größte Teil des kanadischen Obstes angebaut, auch ist das Okanagan ein beliebtes Gebiet für Weinanbau.

Auf der Farm selbst gibt es Hühner, Schafe, Ziegen, Lamas, Alpakas und Pferde. Außerdem zwei Wachhunde, einen Schoßhund und eine Katze. Die Eier der Hühner werden gekauft, alle anderen Tiere dienen nur der Freude. Die Haupteinnahmequelle der Farm ist die Bäckerei Bread on wheels von Klemens, dem Besitzer der Farm. Er macht echt ziemlich fantastische Backwaren. Nach sechs Monaten nordamerikanischen Backmülls war das wie eine Erlösung für mich. Auf der Farm wohnen außerdem noch Klemens Mutter Eva und Klemens Sohn Tarran.

Ich bin hier hauptsächlich für die tägliche Versorgung der Tiere, die Vorbereitung der Eier für den Verkauf und das Befeuern des Ofens zuständig. Dazu bekomme ich regelmäßig irgendwelche Sonderaufträge.

Die Farm liegt etwa 300m Oberhalb von Kelowna. Die Aussicht ist der Oberkracher und der Himmel über dem Tal zeigt fast jeden Abend ein anderes Kunstwerk.

Ende Mai geht es dann weiter für mich nach Alaska. Allerdings fühle ich mich hier so wohl, dass mir der Abschied wohl schwer fallen wird.

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Nach Tofino – Victoria und Seattle

Am Sonntag den 15ten März habe ich meine temporäre Wahlheimat Tofino verlassen. Es war ein gemischtes Gefühl aus Wehmut, Vorfreude auf Neues und einem Hangover. Samstag hatten wir uns nochmal ordentlich durchgespült um uns voneinander zu verabschieden. Ich habe in Tofino nämlich in der kurzen Zeit einen fantastischen Haufen Leute kennengelernt. Die liebe Susi, ein Gast in unserem Hostel, war so lieb mich mit dem Oldsmobile (Spaßmobil) ihrer Bekannten bis mit nach Victoria zu nehmen.
In Victoria bin ich in der WG von Kenny untergekommen, ein sehr spaßiger und liebenswerter Haufen. Und ich habe mir endlich eine vernünftige Kamera zugelegt (Sony A5000 – woohoo!). Deshalb gibt es auch nur noch Bilder von künstlerischem Wert von mir.
Am St. Patrick’s Day waren wir bei einem kleinen Konzert von Freunden der WG (kann man das so sagen?). War auf jeden Fall schön und ich konnte mich etwas mit meiner neuen Kamera ausprobieren. Victoria ist im großen ganzen eine sehr sehenswerte Stadt, die es sich definitiv zu fotografieren lohnt.
Donnerstag ging es mit dem Bus zur Fähre und mit der Fähre nach Vancouver. Dort beschlich mich das erste Mal ein ungutes Gefühl, ich wurde extrem wehmütig, Vancouver Island hinter mir zu lassen.
In Vancouver bin ich umsonst im HI Hostel untergekommen (es lohnt sich mal in einem Hostel gearbeitet zu haben). Am Freitag bin ich zum Bus nach Seattle (2 Stunden zu früh, lesen hilft). Vom Regen ging es dann – in den Regen. Der Grenzübergang war unspektakulär (Visum war noch vom letzten Mal vorhanden). Der Hammer war mein Check-In, nicht nur, dass ich umsonst hier schlafe (gleicher Hostel-Verband), nein, man war auch so großzügig mir ein Einzelzimmer zur Verfügung zu stellen.

Abends bin ich etwas spazieren gegangen und der Regen hinderte mich daran mich mit der Kamera auszutoben, immerhin gab es nen verdammt guten Burger zu essen. Am Samstag bin ich Morgens zum Pike Market um Fotos zu machen. Zufällig bin ich wieder Susi (die von Sonntag) über den Weg gelaufen, und das in einer Stadt von diesen Ausmaßen. Nach einer Stärkung bei Starbucks (natürlich) und einem mexikanischen Snack sind wir losgelaufen um uns die Jimi Hendrix Statue und das Grab von Bruce Lee anzuschauen. Die Hendrix Statue steht ein bisschen unspektakulär in der Gegend rum, vor einem Geschäft, das immer seinen Aufsteller halb dagegen lehnt. Das Grab von Bruce Lee befindet sich auf dem wunderschönen West Lake Cemetery. Es ist dort eine Bank aufgestellt um dort etwas verweilen zu können. Auch fanden sich dort frische Blumen und Briefe. Das Grab hat eine ungeheure Aura. Der Gedanke daran, dass er mit 33 Jahren gestorben ist und bis dahin ein unglaubliches Vermächtnis erschaffen hat, und er Heute noch Vorbild und Inspiration für viele Menschen ist (siehe Blumen und Briefe) hat mir eine echte Gänsehaut verpasst.

Anschließend haben Susi und ich uns weiter die Füße wundgelatscht, bis sich sich unsere Wege wieder getrennt haben. Heute (Sonntag) war ich im Grunde nur zweimal Kaffee trinken, und habe mich sonst vor dem Regen versteckt und Pläne geschmiedet (muahahaha).

Fortsetzung folgt.

Reisefieber

Wer mich kennt, weiß, dass ich trotz meiner phlegmatischen Ausstrahlung nie wirklich ruhen kann. Eigentlich hatte ich ja geplant, den Sommer in Tofino zu verbringen. Da mein Freund Gary, der Manager des Hostels, aber das Hostel bereits im März verlässt, habe ich beschlossen meinen Vertag zu verkürzen um weiter zu reisen. So einen wirklichen Plan habe ich noch nicht, aber der Würfel hat ergeben, dass es irgendwo in die Rockies gehen soll. Mein Vertrag endet am 15. März. Bis Anfang April werde ich dann ein bisschen rumreisen und dann einen Job antreten.

Für Ende Mai ist ein Roadtrip nach Alaska geplant. Der ehrenwerte Christian will sich um ein Auto kümmern, das uns unterwegs nicht im Stich lässt. Danach werde ich hoffentlich einen Erntejob im Okanagan Valley haben, der mir noch ordentlich Geld einbringt. Und, ja, entgegen anderweitiger Planungen werde ich dann im September wohl doch erstmal wieder nach Deutschland kommen um Geld zu verdienen für weitere Reisen.

Hier in Tofino fühle ich mich unglaublich wohl. Wir kochen jeden Abend mit den Gästen und ich lerne immer wieder tolle Leute können. Und, obwohl ich zuerst geplant hatte länger zu bleiben, konnte ich mich mit dem Gefühl irgendwo wirklich lange zu bleiben nicht richtig anfreunden. Nach dem der Vertrag hier fix war habe ich jede Nacht davon geträumt in ein Flugzeug zu steigen.

Bei meinen Touren hier ist mir erstmals bewusst geworden, wie wenig ich eigentlich von Europa gesehen habe. Da kommt noch einiges auf mich zu. Genauso wie ich noch eine Asienreise auf der Liste habe, da ich unbedingt in meine Geburtststadt Seoul möchte. Das Jahr hier ist erst vier Monate alt, und doch hat es unglaublich viel in mir bewegt.

Und, obwohl ich vor meiner Abreise so eine große Fresse hatte, merke ich langsam wie sehr mir meine Freunde fehlen. Und wenn ich zurück bin werden mir wohl genauso meine ganzen fantastischen Freunde fehlen die ich hier auf der Reise gemacht habe. Mir bleibt nichts anderes übrig als am Reisen zu bleiben.

Traces of WW2

Im Regenwald in der Nähe von Tofino gibt es einen kanadischen Bomber aus dem zweiten Weltkrieg, der damals direkt nach dem Start abgestürzt ist. Der Weg dorthin ist kein offizieller Trail, allerdings haben sich einige Leute sie Mühe gemacht ihn vernünftig zu markieren. Der Weg führt überwiegend durch Sumpf und wenn man so geschickt ist wie ich, sieht man hinterher auch entsprechend aus.

Son of a Beach

1500km in drei Tagen und dabei auch was sehen. So der Plan. Am Mittwoch sind wir zu dritt mit einem gemieteten Dodge zuallererst in Richtung Port Hardy aufgebrochen. Abgesehen vom Stau in Victoria waren die 500 km eher ereignislos. Es war dunkel und man hat rein gar nichts gesehen. In Port Hardy haben wir dann gegen 00:30 das gebuchte und bestätigte C&N Hostel aufgesucht. Klasse, Closed for the season. Warum zur Hölle verschickt man Bestätigungen wenn man gar nicht auf hat. Ich hoffe der Laden wird bald den Flammen übergeben. Das zweite Hostel in Port Hardy wollte uns nicht mehr aufmachen. (O-Ton am Telefon: Oh, no. I am not coming down right now). Nachdem wir planlos rumgefahren sind wurden wir von der Polizei aufgehalten, da wir suspicious waren, zum Glück hatten wir die leeren Bierdosen im Auto versteckt. Die Polizei hat uns dann freundlicherweise zu einem Hotel eskortiert, das unser Budget um einiges gesprengt hätte. Wildcampen war auch nicht drin, da verboten. Patricia vom Front Desk des Hotels erwies sich als richtiger Engel. ¨I won’t tell anyone when you just stay in our parking lot, I’ll have coffee on at five.¨ Nach gefühlten (und wohl auch tatsächlichen) 30 Minuten Schlaf bei 3°C haben wir dann Morgens noch kurz den Sonnenaufgang am Ufer genossen und diesen unrühmlichen Ort verlassen.

Bei Dauerregen sind wir nach Tofino gefahren und durften zu unserer Freude feststellen, dass die Hauptstraße dorthin wegen Überschwemmung gesperrt ist. Die Umleitung war zum Glück nur geringfügig länger. Es führt im Grund nur eine einzige Straße nach Tofino, sollte diese auch überschwemmt sein hätte man keine Chance, aber wir hatten gerade noch Glück. Der Weg ist kurvenreich und hügelig und es ist wahrscheinlich schon das ein oder andere Mittagessen wieder im Auto gelandet. Man fährt Teile der Strecke durch einen Urwald und an wilden Gewässern vorbei, und das ist auch genau die richtige Vorbereitung auf Tofino. Im Winter ruhig und verwunschen, ist hier im Sommer wohl die Hölle los. Aber es ist so wunderschön, eine Enklave am Ende Welt. Dort wo der Weg zuende ist und man endlich Ruhe hat.

Unser Hostel lag direkt an der Küste. Der neue Manager des Hostels ist ein spanischer Chefkoch, der liebend gerne mit den Gästen kocht und für eine Handvoll Dollar wahre Festmahle zaubert. Ein feiner Kerl, dem wir versprechen mussten wieder zu kommen und der uns alle umarmt hat als wir gefahren sind.

Die Küstenlinie ist einfach nur zauberhaft und abwechslungsreich. Rauhe See und Felsen wechseln sich mit traumhaften Stränden voller Treibholz ab, an denen man stundenlang spazieren gehen kann.

Da ich in Victoria noch keine Arbeit habe, und eigentlich auch nicht nach Kanada gefahren bin um wieder in einer Stadt zu wohnen, ziehe ich Ende des Monats nach Tofino und bleibe dort bis zum Ende meines Visums oder bis ich eine neue Idee habe, oder bis zum Ende meines Lebens, mal sehen.

Rule #1: Do not stick to rules.

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