In Charge

Seit Dienstag sind meine Gastgeber in Italien und ich damit für zehn Tage in der Verantwortung für die Farm. Damit bin ich ganz schön busy. Jeden Morgen muss ich die Hühner und Ziegen aus dem Stall lassen, füttern und ihnen Wasser geben. Das sind bei den Hühnern ungefähr 20 Eimer Futter und in etwa soviele Eimer Wasser.
Zusätzlich gebe ich noch den Schafen Heu und Wasser. Abends sperre ich Ziegen und Geflügel wieder ein und sammle vorher die Enten- und Hühnereier auf.

Da eine der kleinen Ziegen kurz vor Abreise von Anna und Daniel krank geworden ist, musste ich mich jeden Tag um sie kümmern, zum Glück hat ein befreundeter Farmer dabei geholfen. Allerdings ist meine Whatsapp-History jetzt voller Dialoge über die Konsistenz von Ziegenkot. Die kleine Ziege ist jetzt auf dem Weg der Besserung.

Beim Geflügel habe ich meinen Nemesis gefunden, eine bescheuerte Gans, die total darauf steht mich zusammen zu scheißen und mir ins Hosenbein zu picken. Leider ist sie nicht zum Essen vorgesehen.
Ich hab noch keine Ahnung wie ich weiter mit ihr umgehe, ich darf sie nicht erschlagen, das habe ich schon angefragt.

Die Hunde und Katzen werden ebenso von mir versorgt. Roxy und Odin sind Draußenhunde, die relativ Pflegeleicht sind, aber manchmal komische Sachen anschleppen (Schädel, Wirbelsäulen, Beine von Paarhufern). Joey ist alt und blind, das macht es manchmal anstrengend, außerdem ist er etwas stur. Ich habe ihn zwei Nächte hier schlafen lassen, dabei hat er drei Eier aus dem Müll gegessen, sowie meine Chips (inkl. Teilen der Tüte). Er schläft jetzt wieder draußen.

Auch wenn es viel Arbeit ist, macht es mir ungeheuer viel Spaß für alles verantwortlich zu sein (ok, nicht für die Gemüsegeschichten, das macht die Angestellte).

Bijou ist schon wieder gefräßig wie ne Heuschrecke:

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Der transzendente Truthahn:

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If it fits, I sits:

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Recap der seit dem letzten Posting vergangenen Tage Pt. 1

Da ich mich hier inzwischen einigermaßen eingelebt habe, ist auch die Anzahl der Erlebnisse geringer geworden, die ich für berichtenswert befinde.

Die erste große Neuerung für mich ist, dass ich jetzt ein Handy mit kanadischer Nummer besitze. Was einfach klingt, kann hier echt zur Herausforderung werden. Wenn man keinen Zweijahresvertrag möchte, dann sind im Grunde die Angebote aller Anbieter Beschiss. Das geben die Leute in den Läden auch ohne zu zögern zu: ¨This is a complete rip-off!!!¨ – ¨Yeah, you are totally right, Sir!¨. Manchmal wollen Sie einem auch kein Handy verkaufen: ¨We are low on stock, I won’t sell it to you.¨ – ¨Well, I want to buy it and pay now.¨ – ¨I won’t sell it.¨
Naja, im vierten Laden hat es dann geklappt. Wenn man sich bei kanadischen Mobilfunktarifen auf keinerlei Verbindlichkeiten festlegen will, dann ist man ziemlich gearscht. So muss ich zum Beispiel auch bezahlen, wenn ich angerufen werde. Als Bonbon werden mir vom Land und von der Provinz jeden Monat Gebühren abgezogen, mit denen die 911 Hotline finanziert wird. Datenvolumen ist hier auch teurer als in Dtl., ABER, was ziemlich geil ist: Hier wird kein Unterschied zwischen normalem Datentarif und LTE gemacht. Wenn LTE verfügbar ist, kann ich es nutzen ohne drauf zu zahlen.

Letztes Wochenende hatten wir ein Bonfire geplant, das leider dem Regen zum Opfer fiel, deswegen haben wir die Marshmallows über dem Kaminfeuer geröstet. Zwischen zwei Kekse gepresst ergibt das Smores, ziemlich genialer süßer Scheiß. Eine weitere scheinbar in Kanada heimische Art unnütze Kalorien zu konsumieren, ist das Trinken von Kakao durch einen luftigen Schokokeks. Herrlich.

Die Bierauswahl in Kanada ist riesig, was aber eher negativ ist, da es so noch schwerer ist die Perlen rauszupicken. Hervorzuheben ist dabei das eine Gebräu, dessen Namen ich vergessen habe. Key-irgendwas oder so. Dabei ist nicht unbedingt das Bier so besonders, sondern die Dose, die mit einem extra Luftloch kommt, damit man es noch schneller trinken kann. Prost und wech.

Am Anfang dieser Woche haben mich Ila und Mack auf der Farm besucht. Ila ist die beste und langjährigste Freundin meiner Mutter. Die beiden haben sich für so ziemlich alles interessiert was auf der Farm vonstatten geht und es hat sehr gut getan, mal wieder jemand vertrautes zu treffen.

Am Dienstag habe ich zum ersten Mal einen Yogakurs besucht, natürlich gleich advanced. Ich wusste zwar, dass Yoga gut sein soll, aber diese Erfahrung war echt der Hammer. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so gut gefühlt habe.

Der Meister bei der Korianderernte:

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Die wohl klügste Bierdose der Welt:

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Ila zwischen meinen Donkey-Bros:

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Hüpf- und Wurfhühner, die auf ihren Einsatz bei Zelda warten:

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The Rocky Mountains Hiking Show

Am Sonntag bin ich endlich mal in den Rockies gewesen. Nach zwei Stunden Fahrt sind wir in Canmore angekommen und der Worldclass Hiking Club bestehend aus meinen Gastgebern Daniel und Anna, deren Freundin Candice und den drei Workawayerinnen Jenny, Hannah und Doro hat sich direkt auf den Weg gemacht den Grassi Lakes Trail zu bewandern.

Der Trail war etwas kurz, aber die Aussicht trotzdem atemberaubend. Als absolutes Highlight haben wir auf dem Weg nach Unten einen Schwarzbär gesehen.

Ganz Unten:

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Wasser; viel, schnell und laut:

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Where the Magic happens:

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Der alte Mann und das Meer:

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Photobombed:

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Joey, der blinde Gipfelhund:

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Schwarzbärbuddy:

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Worldclass Hiking Club vor der Bierzeremonie:

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Auf dem Weg nach ganz Oben:

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Kein Biber in Sicht:

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Sonnenuntergang:

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Auf dem Hinweg:

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Choose Wisely:

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Atemberaubende Aussicht:

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Atemberaubender:

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Phototapete:

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Canmore:

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Massentourismus:

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Höhlentier (lasziv posend):

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(Fast) ganz oben:

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Quasi ganz oben:

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P.s. Einige der Bilder sind Spenden der lieben Hannah.

A Canadian Birthday

Ich habe tatsächlich das erste Mal seit über zwei Jahrzehnten meinen Geburtstag außerhalb Europas verbracht. Da ich mit meinen beiden Gastgebern Anna und Daniel so ziemlich das goldene Los gezogen habe, war dieser ziemlich entspannt und toll. Ich musste zur Feier meiner Existenz nicht auf das kalte, windige Feld sondern konnte den Tag ganz entspannt mit Brotbacken und der Vorbereitung des Pulled Pork für den Samstag verbringen.
Als Geburtstagstorte gab es einen Pumpkin Pie mit Ahornsirupsahne, ultimativ lecker!
Abends haben wir uns ein Icehockeymatch in Olds angeguckt, die Olds Grizzlies gegen die Drumheller Dragons. Anfangs war es etwas lahm, da die Heim-Mannschaft nicht wirklich aus dem Quark kam. Erst nach ‘ner vernünftigen Schlägerei im dritten Drittel gewann das Spiel an Fahrt und nach Verlängerung und Penalty haben die Olds Grizzlies 4:3 gewonnen. Neben Anna und Daniel waren noch eine Freundin von Anna und drei Workawayerinnen (Fachsprache), sowie die Farmangestellte Megan und ihr Freund dabei, wir waren eine ziemlich lustige große Truppe.
Der abschließende Pubbesuch wurde etwas kurz, da wir am Samstag bereits um Fünf für den Markt in Red Deer aufstehen mussten.
Das Hockeymatch war auf jeden Fall eine spannende Erfahrung für mich, auch wenn ich anfangs dezente Probleme hatte dem Puk zu folgen. Alles in Allem ein sehr toller Geburtstag, auch wenn ich natürlich meine ganzen lieben Freunde in Deutschland vermisst habe.

Saugeiler Pumpkin Pie:

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Ich hab keine Ahnung was da Unten gerade passiert:

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Hockeyexperten unter sich:

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Geburtstagsbier, die wichtigste Mahlzeit des Jahres:

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Irgendwo in Alberta steht eine Farm

Die Country Thyme Farm auf der ich momentan den Freiwlligen mache befindet sich neben dem kleinen Örtchen Bowden (ca. 1.200 Seelen). Bowden liegt in etwa mittig zwischen Calgary und Edmonton am Queen Elizabeth II Highway. 
Auf einer Fläche von 16 Hektar bauen Anna und Daniel, die Farmer, ca. 30 Sorten Gemüse an. Zusätzlich haben sie noch eine große Wiese für Heu. Auf der Farm Leben außerdem noch drei Hunde, drei Katzen, Schafe, Ziegen, Kaninchen, Hühner, Enten, Gänse, ein Truthahnpärchen (zum Angeben) und zwei Esel.
In den Beeten wächst alles mögliche, von Grünkohl über Radieschen hin zu Rote Beete, diversen Salatsorten, Petersilie, Dill, Meerrettich, Knoblauch, Senf, Rucola, Koriander oder Schnittlauch.
Auf dem Farmland eines befreundeten Farmers wird zusätzlich noch Red Fire Grain angebaut, eine Urweizensorte, deren Körner von uns zu Mehl gemahlen werden, das direkt an den Endkunden verkauft wird.
Die Enten und Hühner legen eifrig Eier, die größtenteils verkauft werden, aber auch den Eigenbedarf decken. Die Hühner und Enten werden aber ach verkauft, wenn sie ausgewachsen sind. Die Schafe dienen der Fleischproduktion, die Ziegen sollen irgendwann mal der Produkton von Ziegenmilch dienen.

Alle angebauten Gemüsesorten, sowie das Mehl und die Eier werden auf diversen Wochenmärkten verkauft (momentan sind es zwei). Ein großer Teil der Sachen geht in Form von CSA-Anteilen weg. CSA bedeutet Community Shared Agriculture. Die Kunden bezahlen für einen bestimmten Zeitraum im Voraus, dafür erhalten sie wöchentlich eine festgelegte Menge an Gemüse, aber auch Eiern und Mehl. Diese können an zwei Ausgabestellen (eine in Red Deer und eine in Olds) abgeholt werden. Sollte die Ernte mal schlechter ausfallen, so bekommen die Leute weniger, im umgekehrten Fall aber auch mehr. Für die Lämmer kann man ebenfalls Shares erwerben und erhält zur Schlachtzeit dann eine bestimmte Menge.

Womit ich hier überwiegend beschäftigt bin ist das Ernten und Verpacken für den Verkauf. Außerdem bin ich wie schon geschrieben mit auf den Märkten und helfe beim Aufbau, Abbau und Verkauf. Da ich mit den Farmern zusammenlebe, stelle ich mich zusätzlich noch gerne Abends in die Küche und stelle sicher, dass hier keiner verhungert.

Roxy (Hinten) und Odin (Vorne), die sich Nacht um Nacht mit Kojoten prügeln:

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Heute hatten wir schon den ganzen Vormittag unter 0°C:

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Kräuter, Gemüse, Grünzeug:

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